Hinter den Kulissen eines Fachbuchs

Was mich zu „Eingliederungshilfe bei Alkoholabhängigkeit“ inspiriert hat

Wenn Menschen an eine Alkoholabhängigkeit denken, stehen oft die gesundheitlichen Folgen und das Stigma im Vordergrund. Doch in der Praxis der rechtlichen Betreuung und der sozialen Arbeit zeigt sich schnell ein ganz anderes, fast noch größeres Problem: das Zusammentreffen von chronischer Suchterkrankung und einem starren Hilfesystem. Genau aus dieser alltäglichen Frustration heraus ist mein Buch „Eingliederungshilfe bei Alkoholabhängigkeit: Ein Praxisleitfaden für die rechtliche Betreuung und Sozialarbeit“ entstanden.

In meiner täglichen Arbeit und im Austausch mit Kolleginnen und Kollegen bin ich immer wieder auf dieselbe unüberwindbare Mauer gestoßen. Wenn ein chronisch alkoholkranker Mensch Unterstützung beantragt – sei es für das betreute Wohnen, eine Tagesstruktur oder die Sicherung der eigenen vier Wände –, lautet die Antwort von Leistungsträgern allzu oft reflexartig: „Erst Entzug, dann Hilfe.“

Diese Haltung verkennt jedoch die Realität einer schweren, chronischen Abhängigkeitserkrankung. Sie führt dazu, dass Menschen im Hilfesystem zwischen allen Stühlen sitzen, im Kreis laufen oder im schlimmsten Fall ihre Wohnung verlieren, weil die notwendige Assistenz an der Bedingung einer sofortigen, unrealistischen Abstinenz scheitert.

Das hat mich tief motiviert, diesen Praxisleitfaden zu schreiben. Ich wollte kein rein theoretisches Buch verfassen, sondern eine echte Handreichung für den Arbeitsalltag. Ein Werk, das verdeutlicht, dass der gesetzliche Anspruch auf Eingliederungshilfe nach dem SGB IX nicht an das Erreichen einer Abstinenz gekoppelt werden darf. Teilhabe, Wohnraumsicherung und Schutz vor weiteren sozialen Krisen sind fundamentale Menschenrechte, die auch bei einem fortgesetzten Konsum greifen müssen.

Im Buch zeige ich daher, wie man diese Ansprüche fachlich fundiert und rechtssicher durchsetzt, wie das Gesamtplanverfahren personenzentriert vorbereitet wird und wie schadensmindernde Ansätze (Harm Reduction) in der Praxis aussehen können. Konkrete Fallbeispiele, Checklisten und Formulierungshilfen sollen dabei unterstützen, aus dem oft kräftezehrenden Paragraphendschungel einen gangbaren Weg zu machen.

Das Buch ist für all die engagierten Betreuerinnen, Betreuer und Sozialarbeiter geschrieben, die täglich darum kämpfen, Menschen dort abzuholen, wo sie stehen – mit Respekt, fachlicher Klarheit und dem nötigen juristischen Rüstzeug.

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